Jungblut
JUNGBLUT – “Das Leben mit 25″
Jungblut – einen passenderen Namen für ihre Formation hätten sich die vier Nürnberger Musiker nicht ausdenken können. Zum einen sind sämtliche Mitstreiter jung, Mitte 20, zum anderen verpassen sie auf ihrem Debütalbum “Das Leben mit 25″ der etwas angegrauten Tante Jazz eine gehörige Portion frisches Blut. Man denkt beim Hören an die erquickliche Kombination aus Aretha Franklin und DePhazz, Sarah Vaugh und Annett Louisan. “Was daran liegt”, erklärt Jungblut-Frontfrau und -Mastermind Christina Jung, “dass Jazz zwar unsere große Leidenschaft ist, doch wir sind nun mal Kinder unserer Zeit sind, demnach vor allem mit Pop und Rock groß geworden. Das prägt die eigene Musik immens.”

Die Jungblut-Mitglieder – Sängerin Christina Jung, Pianist Jochen Pfister, Bassist Alexander Spengler und Schlagzeuger Dirk Sommerfeld – haben sich an der Musikhochschule in Nürnberg kennengelernt, wo sie als Hauptfach “Jazz” studiert und ihren Abschluss gemacht haben. Ziem-lich rasch war klar, so Jung, “dass wir uns außerordentlich prima verstehen und unbedingt ge-meinsame Sache machen wollen.” Zwar ist jeder der vier neben Jungblut in anderen Projekten involviert, doch momentan genießt die Neugründung oberste Priorität. Was daran liegt, dass “wir mit dem Ergebnis unseres Studioaufenthalts – unserer CD – äußerst zufrieden sind”, freut sich Christina. “Ich denke, obwohl sich dahinter ein Erstling befindet, ist die Platte gut genug, um ein breites Publikum zu erreichen. Vor allem wünschen wir uns, dass wir dank dieser Platte viele Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Denn erst live entfaltet sich unser Charme in ganzer Pracht.”
Tatsächlich lebt der Jungblut-Sound vom harmonischen Miteinander auf der Bühne, von der Freude an der Freundschaft, vom unbedingten Sich-Verlassen-Können-auf-den-Anderen. “Selbst wenn wir allesamt in festen Beziehungen stecken und eigene Bekanntschaftskreise haben”, schwärmt Christina, “haben wir Vier blindes Vertrauen zueinander, glauben an die Ideen jedes Einzelnen, weil wir wissen, dass jeder nur das Beste für die Gruppe will.”
In einem solch homogenen Kreis war es einfach, “Das Leben mit 25″ aufzunehmen, selbst wenn man nur drei Tage Studiozeit zur Verfügung hatte. “Wir überlegten uns vorher sehr genau, welche Stücke wir aufnehmen wollen, haben viel im Übungsraum geprobt”, erinnert sich Christina. “Als es schließlich zu den Aufnahmen kam, sind wir – außer bei einem Stück – in klassischer Jazz-Tradition zusammen in einem Raum gesessen, haben beseelt gespielt und die Ergebnisse auf Band verewigt. Nur unter solchen Umständen entsteht eine lebendige Atmos-phäre, die sich positiv auf dem Album niederschlägt.”
“Das Leben mit 25″ ist weit mehr geworden als eine pure Jazz-Angelegenheit. Was man schon an der unkonventionellen Song-Zusammenstellung erkennen kann: Acht der Lieder stammen von der Gruppe, drei davon in deutscher, fünf in englischer Sprache, der Rest sind Coverver-sionen von so unterschiedlich orientierten Künstlern wie den Beatles (”Got To Get You Into My Life”, “Blackbird”), Michael Jackson (”The Way You Make Me Feel”) und Ben Harper (”By My Side”). Für die ungewöhnliche Wahl der Interpretationen gibt Jung rein persönliche Gründe an: “Seit ich 14 bin, sind die Beatles meine Lieblingsband, sie sind einfach die Größten”, sagt sie. “Und wenn ich “The Way You Make Me Feel” von Michael Jackson im Radio höre, wirft mich dieser Song nach wie vor auf der Stelle um! Ben Harper wiederum ist ein Künstler mit großar-tiger Stimme und immenser Ausstrahlung. Ich ziehe meinen Hut vor seinem Talent, indem ich eines seiner Lieder in einen neuen, respektvollen Kontext stelle.”
Die acht Eigenkompositionen des Quartetts sind vom Jazz-Gedanken beflügelt, brechen aber immer wieder gerne in Pop-Harmonik aus. “Ich mag schon gerne mal eine ungerade Taktzahl, etwa einen 7/8-Rhythmus”, gibt Christina zu. “Aber ich schätze ebenfalls eine klare Melodie, wie man sie eher in Pop-Gefilden findet.
Das hängt garantiert mit der Konditionierung in meiner Jugend zusammen, ich bin mit Rock, Funk und Soul aufgewachsen. Heutzutage sind es Singer/Songwriter, die mich beim Komponie-ren beeinflussen, genauso weibliche skandinavische Jazz-Sängerinnen, Jamie Cullum und Feist haben ebenso tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Und dann habe ich ja auch selbst eine Menge an Musik in meinem Herzen drin, ebenfalls die anderen Drei in der Band. Wir lassen diese Ideen liebend gerne raus!”
Doch nicht nur die Instrumentation ist Jungblut wichtig, auch die Texte spielen eine entschei-dende Rolle im musikalischen Gesamtkontext. Vor allem die deutschen Verse, für die sämtlich Christina Jung verantwortlich zeichnet. “Ich bin nicht perfekt in der englischen Sprache”, stöhnt sie, “deshalb traue ich mich auf Englisch auch nicht das zu schreiben, was ich mit einem Lied inhaltlich ausdrücken will. Das Ergebnis fällt oft zu seicht aus. Wobei ich auch im Deutschen aufpassen muss, dass ich nicht ins Kitschige abgleite. Ich bin eben eine… nun ja… sehr emotionale Person. Aber Deutsch, das ist die Sprache, in der wir uns in der Zukunft bevorzugt mit den Texten hinwenden wollen. Weil Deutsch eine ungeheuer ausdrucksstarke, schöne Sprache ist. Ich hoffe, unsere Musik ist genauso ausdrucksstark und schön.”
Das ist sie! Wehalb Jungblut die Zukunft auch weit offen steht. Denn, so Christina: “Selbst wenn es in der heutigen Zeit für junge Jazz-Musiker nicht leicht ist, sich in der Öffentlichkeit bemerkbar zu machen, bin ich fest davon überzeugt, dass man an einer Sache nur hart genug arbeiten und fest genug an sie glauben muss, um damit erfolgreich zu werden. Nun, beides ist für uns kein Problem. Deshalb sollte der Erfolg nicht auf sich warten lassen…”

Aktuelle CD: „Das Leben mit 25“ (7Jazz/H’ART)




