Ala Heiler
Am Anfang war der Jazz. Dann kam der Rock’n’Roll. Und danach das Schnuppern am Schlagergeschäft, die Herausforderung, sich auf Grand-Prix-Ebene durchzusetzen. Bis Ala Heiler wieder zum Jazz zurückkehrte.
Jetzt bringt der Sänger, Sportler und Unternehmer, der in allen drei Bereichen Karriere machte, eine neue CD heraus. Anlass: das 20-jährige Jubiläum seines letzten großen Erfolges mit der Gruppe WIND beim Grand Prix d’Eurovision. Die CD enthält den damaligen Euro-Hit, „Lass die Sonne in Dein Herz – Let The Sunshine In Your Heart“, in einer Jazz-Version. So gesungen, wie’s Ala Heiler am besten kann: mit swingender Phrasierung und tief verwurzelt in der „American Songbook“-Tradition.
Jazz-Standards wie „A Night In Tunesia“ oder „I Concentrate On You“, zu finden auf seiner letzten CD „Fore!“, kennt Ala Heiler in- und auswändig, weil er sie von frühester Jugend an im Elternhaus hörte. Er lernte schon früh Klavier und wusste bereits mit acht, dass er einmal Musiker werden würde. Dann kamen die Beatles, und „ich war nicht mehr zu bremsen“ (Heiler). Doch auch als der 14-jährige Gymnasiast endlich seine erste eigene Schulband hatte, fuhr er zweigleisig: Nebenher sang er noch in einer Dixieland-Band, „weil ich so gut Louis Armstrong imitieren konnte“.
Kein Wunder, dass sich Heiler entschloss, neben Holzblas-Instrumenten auch Gesang zu studieren. Er brachte es bis zum Dozenten für Gesang und Saxofon auf Joe Haiders Munic Jazz School, zudem zu diversen hochkarätigen Jobs als Sänger und Saxofonist u.a. bei Max Greger oder Hugo Strasser, Erwin Lehn in Funk und Fernsehen. Bis er es irgendwann aufgab, „in die Saxofon-Polls zu kommen“, und andere Dinge entdeckte, vor allem Komponieren, Arrangieren, Produzieren. Er hatte das Handwerk von der Pike auf gelernt, jetzt ging es daran, etwas in die Wege zu leiten. 1981 gründete Heiler in München seine eigenen Saxofon- und Vokal-Institute. Nebenher komponierte, arrangierte und synchronisierte er (für TV-Serien (Kir Royal, SOKO u.a.), Kinofilme und so unterschiedliche Künstler wie die Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Roy Black, Ireen Sheer oder Tommy Steiner).
Und dann kam plötzlich frischer WIND auf: Heiler gründete und leitete 1985 die gleichnamige Popgruppe, in Zusammenarbeit mit dem Produzententeam Ralph Siegel/Werner Schüler, dem er auch nach der Wind-Phase, bis 1993, als Coach von deutschen Grand-Prix-Acts verbunden blieb. WIND ist und bleibt die bislang erfolgreichste Grand-Prix-Gruppe ever: zweimal Zweiter, 1985 und 1987 (Guinness-Book der Rekorde).
Doch Ala Heiler begann der Erfolg bald zu langweilen, vor allem die langen Tourneen, die Autogrammstunden, die Promi-Hektik. Er suchte eine neue Herausforderung. Und hängte seinen WIND-Job an den Nagel, um in Stuttgart eine der europaweit erfolgreichsten Übersetzungs- und Sprachdienstleistungsagenturen PROVERB zu gründen: Er hatte eine alte Freundin zufällig auf der Straße getroffen, eine diplomierte Übersetzerin. Und ihr vorgeschlagen, sich mit ihm als Partner selbstständig zu machen. Das Ergebnis: die Firma PROVERB, die heute zu den Top Ten ihrer Branche zählt.
Zum Glück fand Heiler auch als Unternehmer noch genug Zeit, um zu singen. Und zwar „die Musik, die mir Spaß macht, auch wenn sie finanziell nur wenig bringt“: Jazz. Er nahm CD’s wie „A Tribute to Sinatra“ auf und gab Konzerte mit Peter Herbolzheimer, Joe Gallardo, Horst Jankowski, der Erwin Lehn und anderen Big Bands, auch der Al Raymond Big Band, die bei Vereidigungen von US-Präsidenten spielte und mit Heiler als Frontman durch Nordamerika tourte. So ganz nebenbei spielt der singende Unternehmer auch noch Golf, u.a. als Kapitän und Delegationschef der Deutschen Golf-Uni-Nationalmannschaft, mit einstelligem Handicap.
Jetzt also noch mal Ala Heiler in dem Metier, das er womöglich am allerbesten beherrscht: als swingender Sänger, der jedem Stück seinen Stempel aufdrücken kann. Sogar einem Grand-Prix-Schlager wie „Lass die Sonne in Dein Herz“.
Michael Riediger

CD „Let the Sunshine in Your Heart“ VÖ: 23 Mai 2008




